Bilderleiste

Geschichte zum Gasthaus Bauer

Auszug aus dem Buch 250 Jahre Grünenplan 1744 – 1994

Kapitel 11 Grünenplaner Gastlichkeit ab 1749
von Conrad Lampe

Bei der Planung des " Neuen Aufbaues auf dem Grünen Plan " führte der Oberhofjägermeister von Langen schon 1749 Verhandlungen mit dem Zimmermeister Johan Caspar Allruth von Makeldissen zum Zwecke "...ein vor einheimische und Reisende bequemes Wirtshaus allhier zu bauen..." und erteilte ihm durch Vertrag vom 12. Mai 1749 dazu den Auftrag, der hier in Auszügen dargestellt werden soll:

" Verpflichtet sich gedachter Meister Johan Caspar Allruth hierdurch auf dem ihm angewiesenem Platze ein Wirtshaus von 55 Fußlang und 33 Fuß breit, 2 Stock werk hoch zu erbauen, es mit tüchtigen Kellnern, auch sattsamer Stallung zum Ausspannen zu versehen und überhaupt nach dem von Serenissimo grnädigst ratifiziertenvorgezeigtem Riß, dieses Gebäude auf eigene Kosten einzurichten, auch solches noch in diesem Sommer völligen, brauchbaren Zustand zu setzen, damit längstens künftigen Michaelis die Wirtschaft darein verlegt werden kann.

Verspricht er, darinnen eine gute Krügerei-Wirtschaft und Herbergierung halten zu lassen, solcher Gestalt, daß sowohl die Arbeiter auf der Spiegelhütte und Einwohner zum Grünen Plan mit gutem unverfälschtem Getränke in richtigem Gemäß, auch etwaigen anderen Bedürfnissen in ebenfalls richtgem Maße und und Gewichte für einen billigen Preis versehen, ails auch einkehrende Fremde auf eben die Art gebührend begegnet werden...

Soll ihm frei stehen und erlaubt sein, daß in diesem Kruge zu versellende Bier von dem Amte Greene oder Wickensen zu nehmen...

 

Ist ihm vergönnet, von dem dasiger Gegend vorfallenden Fall- und Leseholz ( worunter doch nichts, so zu Nutz- und Malterholz dienlich zu rechnen ) behuf seiner Feuerung einzusammeln. Das sonst benötigte Brennholz soll ihm gegen jedesmal landesüblichen Preis angwiesen werden …."

Die Spiegelhütte erlebte zu der Zeit einen Aufschwung und zog immer mehr Arbeitsuchende an. Mit wachsender Einwohnerzahl stieg auch der Branntwein bedarf. So bemühten sich die Fabrikanten ( Glasmacher ) um eine Nebenkrügerei. Der Antrag wurde aber am 06.09.1794 vom " Höchstseligen Herrn Herzog Carl " abgelehnt.

In der Napoleonischen Zeit erhielten zwar zwei Einwohner das Recht auf Branntweinhandel, jedoch verhinderte zunächst ein Dekret der westfälischen Regierung vom 14.12.1812 ( das Herzogtum Braunschweig gehörte damals zum Königreich Westfalen ) , eine zweite Krügerei in Grünenplan zu eröffnen.

Auch der Schwiegersoh J. C. Allruths, Andreas Kamm, wehrte sich und sah darin eine Einschränkung seiner Kruggerechtsame und schrieb 1814 eine beschwerde mit folgender Begründung :

" Ich bemerke nur, das in Grünenplan die Verweigerung der geforderten Gewerbescheine sehr heilsam sein würde, weil durch die größere Anzahl derselben Fabrikanten, aus welchen der größte Teil der hiesigen Einwohner besteht und welchen überden mehr Zeit und Neigung zum Besuche der öffentlichen Häuser zu haben pflegen, als der Landbauer, auch mehrere Veranlassung, ihre Zeit und ihren baren Lohn in den Wirtshäusern zu verspilden.

Hierdurch wird die politische Aufsicht besonders erschwert.

Vom damaligen Amt Greene wird mir bescheinigt, daß ich als Wirt durch die gewissenhafte Befolgung der Polizeigesetze mich rühmlich ausgezeichnet habe. "

So blieben Andreas Kamm die alleinige Krügerechtsame sowie die Konzession erhalten und wurden von der Herzoglich-Lüneburischen Kreisdirektion auch auf seinen Sohn Johannes Kamm übertragen.

" Zur Urkunde dessen ist diese Urkunde mit dem Kreisdirektionssiegel zu versehen und durch die daneben gesetzte Unterschrift vollzogen.

So geschehen zu Holzminden am 25. Juli 1837.

Ausfuhrverbote ihrer Erzeugnisse in die Nachbarstaaten bewirkten derzeit einen wirtschaftlichen Niedergang der Spiegelhütte. Der Hüttenbetreiber Friedrich Koch, der spätere Bergrat, der mittels einsichtsvoller Anordnungen die Hütte wieder aufwärts führte, beeinflußte auch das öffentliche Leben in Grünenplan. Im Jahre 1830 kaufte er mit seinem Schwiegervater Bippart gemeinsam die Spiegelhütte und nutzte die gewonnene Selbstständigkeit mit solcher Kraft und Einsicht, daß er in der Tat Bewunderung verdiente.

Im Gemeinderat machte er seinen ganzen Einfluß gegen das " Schnapssaufen" geltend und gründete am 07. April 1839 den Mäßigkeitsverein, dessen Vorsitz er auch übernahm. Fie 26 Mitglieder überreichten ihm für seine Mühen am 20.12.1840 einen Glaspokal mit der Aufschrift :

" Aus Hochachtung widmet dieses der Mäßigkeitsverein, Herrn Bergrath Koch :

Jeder neue Morgen bringe Ihnen Freude und jeder erlebte Abend friedliche Ruhe. "

Am 12.02.1851 erhielt Gustav Kamm die Konzession und übernahm den Krug von seinem Vater. Schon wenige Tage später, am 14.02.1851, beklagte er in einem privaten Schreiben an die Kreisdirektion Holzminden den Wunsch der Grünenplaner nach einer zweiten Gastwirtschaft. Er fürchtete um seine Privilegien und verdiente wohl auch nicht besonders, weil er sich nebenberuflich noch als Holzhändler betätigen mußte. In seinem Brief heißt es unter anderem :

" Hoch geherter Herr Kreisdirektor !

… Zuvordest glaube ich, daß ein gegründetes Bedürfnis hierselbst nicht vorhanden ist. Vor allem habe ich es von jeher mit zu Hauptpflicht gemacht, den Reisenden jedes Standes ein gutes und billges Unterkommen zu verschaffen. Dieses ist bei der geringen Paaage auf hiesiger straße stets mit einem verhältnismäßig zu großen Kostenaufwande mir nur möglichgewesen, daß ich bei den Logieren und Speisen der Fremden wenig oder garkeinen Gewinn für meine Bemühungen hatte. Aber es ist mir stets der Gute ruf meiner Wirtschaftteuer gewesen als ein, wenn auch noch so großer materieller Gewinn...

Nicht weniger aber war mein Bemühen darauf gerichtet, auch die Einwohner hiesigen Ortes stets gut und billig zu bedienen, ihnen hinreichend große Lokale zu ihren Versammlungen bereit zu halten und alle nur irgend billigen Wünschen derselben stets zu berücksichtigen. Durch eine zweite Wirtschaft würde aber die Moralität des hiesigen Ortes sehr gefährdet werden, da dieselbst sich doch nicht über den Grad einer gewöhnlichen Schank-wirtschaft erheben würde.

Ich habe bei Führungen meiner Gastwirtschaft, sobald es irgend mit meiner stellung als Wirt und meinen Gästen gegenüber verträglich war, stets strenge darauf gesehen daß unsittlichkeit und Unmäßigkeit möglichst vermieden wurden, indem ich nächtliche Gelage nie geduldet und für Ruhe, Ordnung und Mäßigkeit nach Möglichkeit gesorgt habe. Wie ich denn auch, ohne mich dessen rühmen zu wollen, zu der Zeit als der Enthaltsamkeitsverein hier existierte, dieser guten Sache in jeder Weise, wenn auch meinem materiellen Interessen entgegen, Vorschub geleistet habe.

Eine neue Wirtschaft könnte deshalb außer denen, die sich selbst um deren Anlegung bewerben, zumeist wohl nur von solchen gewünscht werden, die sich in einem soliden und reellen Wirtshause nicht wöhnlich fühlen...

Obgleich ich nun durch mein Privilegium in dieser Sache schon ziemlich geschützt bin, so muß ich Ew. Wohlgeboren doch dringend bitten bei Beurteilung dieses Gegenstandes, gestüzt auf das Urteil wahrheitsliebender und die Verhältnisse kennen der Männer, im wesentlichen den in Obigen ausgesprochenen Absichten beizutreten, wie ich den glaube, daß der Herr Bergrath Koch es auch nicht als ein Glück für den hiesegen Ort halten wird, wenn in demselben Ort noch eine Wirtschaft angelegt würde. "

Für die etwas 1200 Einwohner gab es außer dem Krugprivilegium immerhin auch noch der Branntweinverkaufsstellen, sehr zum Nachteil Gustav Kamms. Als er 1876 den Krug an Hermann Momberg verkaufte, klagte dieser gegen alle Schnapsausschenker .

" Denn jeder Bierwirt schenkt hier Branntwein in Gläser, wodurch mir meine teuer erkaufte Gerechtsame geschändet wird, denn dieser Unfug, der hier vorkommt, ist unerhört. Noch haben wir keinen Sonntag gehabt, so lange dem Reiche die Erlaubnis erteilt ist, wo nicht Schlägerei vorgekommen ist. "

Nach neuen Richtlinien sollte künftig auf je 400 Einwohner zusätzlich eine Gaststättenkonzession erteilt werden können. So kam der Hufschmied Räger1869 zu einer solchen Konzession, die aber nur " als Bierhalle" erteilt wurde. Schon kurze Zeit später verpachtete er sie an den ehemaligen Glasmacher Hermann Momberg. Mit der Unterstützung seiner Glasmacher Kollegen versuchte dieser vergeblich, eine Genehmigung zum Ausschank von Trinkbranntwein zu erwirken. Auch dem Nachfolgepächter, Schmiedemeister Engelke, erging es nicht besser, so daß er den Betrieb wieder an den Hufschmied Carl Räger zurückgab.
Am 28. April 1896 teilte dieser der Kreisdirektion in Holzminden mit, daß er Bierhalle und Tanzhalle nebst anderen Grundstücken an den Viehhändler August Bauer verkauft habe.
Der neue Besitzer sorgte in seinem Lokal für Ruhe und Ordnung. Er baute in den Jahren 1906 bis 1908 den vorderen Teil der Gaststätte neu, da das ältere Haus mit seiner Holzveranda einen meter tiefer, hin und wieder hochwassergefährdet, dicht am Glasebach lag.

Nun verfügte das Haus über ein Gast-, ein Club-, mehreren Fremdenzimmer, einen Tanzsaal für etwa 200 Personen und eine Bühnenanlage. Einen weiteren Raum unter dem Saal nutzte der Arbeitersportverein als Turnhalle.

Am 05. März 1924 mußte sich Gastwirt Bauer erneut um eine Verkaufsgenehmigung bemühen. Der Anlaß dazu wurde in seinem Antrag deutlich:
" In unserem Orte sind jetzt Bestrebungen im Gange, die darauf hinausgehen, die Gastwirtschaften zu meiden! Es werden deshalb Spirituosen in Flaschen gekauft, die dann zu Hause verzehret werden.
Ich bitte deshalb, mir die Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein und Spirituosen zu erteilen.
Sollte der Anfrage nicht stattgegeben werden können, dann bitte ich um Genehmigung, Spirituosen in verkorkten und verkapselten Flaschen abgeben zu dürfen."

Mit dem Gasthaus " Zur Erholung" ( Bauer - Abb. 1 ) ging es weiter aufwärts , als Sohn Willi1934 im romantischen Garten " Bauers Tanzdiele" eröffnete. Hier erklangen viele aus Film und Funk bekannte Schlager, heute noch als Oldies beliebt, gespielt und gesungen.

Die "Blaue Diele" bot dem Gast Gemütlichkeit. Nach dem Einbau einer Zentralheizung stellten sich vermehrt Kurgäste ein.

Seit 1982 zeichnet Rolf Bauer in der dritten Generation für das Haus verantwortlich. Zu den renovierten und modernisierten Räumen kam 1982 eine Doppelkegelbahn , die die Zahl dr Stammgäste merklich erhöte. Für größere Veranstaltungen bietet sich weiterhin der Saal als einzige angemessene Räumlichkeit im Ort an. Von diesen Angeboten machen noch heute mehrere Vereine und Clubs regen Gebrauch.

Beide bisher genannten Lokale wurden in der Vergangenheit von bestimmten Berufsgruppen oder sozialen Schichten bevorzugt besucht.

Am 08.06.2015 verkaufte Rolf Bauer das seit drei Generationen in Familienbesitz geführte "Gasthaus Bauer" an Karoline Eckardt und Björn Teschemacher. Die dieses am 05.09.2015 mit einem Hoffest eröffneten.

Öffnungszeiten

  • Do. - Mo. ab 17:00 Uhr
    und nach Vereinbarung

Neu ab 1. Mai

  • Donnerstag Schnitzeltag
    mit verschiedenen Beilagen und Soßen
  • +++Es sind noch Kegeltermine frei+++

  • Biergartenkarten:
    Grillkarte | Getränkekarte
  • Die besten Restaurants in Deutschland